Agil en vogue

Meister Management Leave a Comment

Weiße Schuhe sind gerade angesagt. Trägt man jetzt. Sagt meine Tochter, und die kennt sich aus.

Die „weißen Schuhe“ in vielen Unternehmen heißen gerade „agil“. Agil ist auch angesagt. Kein Wunder, ist ja auch zu verlockend, was da versprochen wird: Alles viel schneller, weniger Papierkram, keine störenden Prozesse und man kann so viel ändern, wie man will. Nein, man soll sogar ändern – vorsätzlich gewissermaßen. Nimm eine Prise agil4711, und alles wird gut.

Alles ist auf einmal BacklogStory und Velocity. Und wir haben auch kein Meeting mehr, sondern ein Daily. Selbst der Besuch bei Freunden wird timeboxed und den Kontostand kann man zeitgemäß in einem Burndown-Chart abbilden.

Leider ist es so, dass viele agile Gehversuche nicht gut oder gar nicht funktionieren. Dass die weißen Schuhe quasi nicht passen. Es gibt – überspitzt gesagt – zwei Grundrichtungen:

Die Chaoten. Verwechseln agil mit chaotisch und erteilen jeder Art von aufgebauter Ordnung freudig eine Absage. Nichts mehr wird fertig, weil alles angefangen aber kaum was abgeschlossen wird. Jede halbscharige Idee bekommt auf einmal eine Chance – schließlich sind Business Pläne old school. Am Ende steht die Erkenntnis, dass agil nicht funktioniert, weil alles durcheinandergerät.

Die Controlletis. Packen alte Weine in neue Schläuche. Sieht aus wie agil, ist aber nicht agil. Die Controlletis trauen dem Frieden nicht und wollen agil/Stunde messen. Wie agil waren Sie heute? „Können wir bitte eine Übersicht aller geplanten und detailliert beschriebenen User Stories der nächsten 12 Monate mit ausgeplanten Ressourcen aller Sprints für das nächste Managementmeeting zur Verfügung stellen?“ Committed, versteht sich… Am Ende steht die Erkenntnis, dass agil nicht funktioniert, weil sich ja irgendwie gar nichts geändert hat.

Agil funktioniert aber. Agil hat bewiesen, dass tatsächlich viel bewegt werden kann. Es gilt aber, die agile Essenz zu erkennen, und nicht einfach einen Esel zum Rennpferd umzulackieren.

Der Chaotenfraktion sei gesagt: Agil hat Regeln. Jede Freiheit hat Regeln. Wenn ein Zoo die einzelnen Käfige aufgibt und einen großen Park baut, sind da trotzdem Mauern. Nur halt woanders.

Den Controlletis sei zugerufen: Halbherzig ist schlecht, habt Vertrauen in eure Leute. Erkennt, dass genaue Planung ein Märchen ist, egal ob agil oder nicht.

Agil ist eine Reise. Wenn es nicht gleich funktioniert, ist Kalibrierung erwünscht. Übrigens auch, wenn es funktioniert. Es ist Teil des Prinzips und übrigens so alt wie völlig aus der Mode gekommene Cowboy-Stiefel. Das Prinzip heißt PDCA, der Zyklus zur kontinuierlichen Verbesserung. Gruß von Herrn Deming.

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